Auf der Zutatenliste unserer Zahnpasten steht er weit vorne: Hydroxyapatite (nano). Klingt nach Labor, ist aber eigentlich das Naheliegendste, was man sich für die Zähne vorstellen kann. Denn Hydroxylapatit ist genau das Mineral, aus dem dein Zahnschmelz besteht.
In diesem Artikel erklären wir, was Nano-Hydroxylapatit (kurz: nHAP) ist, was die Forschung dazu sagt und warum wir uns bewusst dafür entschieden haben. Alle Studien sind verlinkt, damit du selbst nachlesen kannst.
Hydroxylapatit: der Baustoff deiner Zähne
Zahnschmelz ist die härteste Substanz im menschlichen Körper. Er besteht zu rund 97 % aus Mineralien, und der allergrößte Teil davon ist Hydroxylapatit (oft auch Hydroxyapatit geschrieben), ein Calciumphosphat-Kristall. Auch im Dentin und in unseren Knochen steckt er.
Jeden Tag verliert dein Zahnschmelz ein bisschen Mineral. Säuren aus Lebensmitteln und von Bakterien lösen winzige Mengen heraus, das nennt man Demineralisation. Gleichzeitig lagert der Speichel wieder Mineralien ein, die Remineralisation. Solange dieses Gleichgewicht stimmt, bleibt der Schmelz stabil. Kippt es, entstehen raue Stellen, Empfindlichkeit, White Spots und im schlimmsten Fall Karies.
Die Idee hinter Hydroxylapatit in Zahnpasta ist einfach: Wir geben dem Zahn genau den Stoff, aus dem er selbst gemacht ist. Man spricht deshalb auch von einem biomimetischen Wirkstoff, also einem, der die Natur nachahmt.
Und warum „nano“?
„Nano“ bezieht sich auf die Größe der Partikel. Nano-Hydroxylapatit-Kristalle sind so klein, dass sie in feinste Unebenheiten des Zahnschmelzes und in die winzigen Kanälchen des Dentins passen. Dort können sie sich anlagern, die Oberfläche glätten und offene Dentinkanälchen verschließen.
Das ist auch der Grund, warum Nano-Hydroxylapatit in der Forschung vor allem bei drei Themen auftaucht: Schmelz stärken, Karies vorbeugen und empfindliche Zähne beruhigen.
Was sagt die Forschung?
Hydroxylapatit in Zahnpasta ist keine neue Erfindung. In Japan wird es seit den 1980er-Jahren verwendet, und inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Studien. Hier sind die wichtigsten.
1. Schmelz remineralisieren: so gut wie Fluorid
Die für uns spannendste Studie stammt von Najibfard, Amaechi und Kolleg:innen aus dem Jahr 2011. 30 Erwachsene trugen in vier Phasen von je 28 Tagen eine Mundschiene mit kleinen, vorab angegriffenen Schmelzproben. Dabei putzten sie mit Zahnpasta mit 5 % Nano-Hydroxylapatit, 10 % Nano-Hydroxylapatit oder 1.100 ppm Fluorid. Die Studie war doppelblind, die Teilnehmenden wussten also nicht, welche Zahnpasta sie gerade benutzen.
Das Ergebnis: Alle drei Zahnpasten bauten den angegriffenen Schmelz signifikant wieder auf. Zwischen Nano-Hydroxylapatit und Fluorid gab es keinen messbaren Unterschied. Und gesunder Schmelz, der mit 10 % nHAP gepflegt wurde, verlor in dieser Zeit keine Mineralien. (Najibfard et al., J Clin Dent 2011)
Eine spätere Studie derselben Forschungsgruppe zeigte, dass eine Nano-Hydroxylapatit-Lotion nach dem Zähneputzen den Schutz vor Karies zusätzlich verbessern kann. (Amaechi et al., J Dent 2021)
Gut zu wissen: Diese Studien arbeiten mit Schmelzproben im Mund, nicht mit echten Kariesstellen an Zähnen. Sie zeigen sehr gut, was im Schmelz passiert, sind aber kleiner und kürzer als klassische Langzeitstudien.
2. Karies vorbeugen: auch in großen Studien gleichwertig
Inzwischen gibt es auch größere klinische Studien, die Hydroxylapatit-Zahnpasta über Monate direkt mit Fluorid-Zahnpasta vergleichen.
Erwachsene, 18 Monate: In einer doppelblinden Studie mit 194 Erwachsenen bekamen 89,3 % der Hydroxylapatit-Gruppe keine neue Karies. In der Fluorid-Gruppe mit 1.450 ppm waren es 87,4 %. Hydroxylapatit war damit gleichwertig. (Paszynska et al., Front Public Health 2023)
Kleinkinder, 1 Jahr: Auch im Milchgebiss schützte Hydroxylapatit-Zahnpasta genauso gut wie die Fluorid-Vergleichszahnpasta. (Paszynska et al., Sci Rep 2021)
Mit fester Zahnspange, 6 Monate: Bei 150 Patient:innen mit hohem Kariesrisiko war Hydroxylapatit ebenfalls gleichwertig zu Fluorid. (Schlagenhauf et al., J Investig Clin Dent 2019)
Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2024, die alle verfügbaren klinischen Studien zusammenfasst, kommt zu dem Schluss: Hydroxylapatit ist ein wirksamer Wirkstoff gegen Karies, auch ohne Fluorid und für alle Altersgruppen. (Pawinska et al., J Dent 2024)
Gut zu wissen: Die drei großen Studien wurden mit mikrokristallinem Hydroxylapatit gemacht, also mit etwas größeren Partikeln als in unseren Zahnpasten. Für Nano-Hydroxylapatit stammen die Daten zur Kariesvorbeugung vor allem aus den Schmelzproben-Studien oben. Einige der Studien wurden außerdem von Herstellern von Hydroxylapatit-Zahnpasta finanziert. Das macht sie nicht falsch, gehört aber zur Einordnung dazu.
3. Empfindliche Zähne: hier ist Nano besonders stark
Wenn kalte Luft oder Berührung ziehen, liegt das oft an offenen Dentinkanälchen. Genau hier spielt Nano-Hydroxylapatit seine Größe aus.
In einer doppelblinden Studie mit 105 Personen reduzierte eine Zahnpasta mit 15 % Nano-Hydroxylapatit die Empfindlichkeit schon nach 2 Wochen deutlich, und zwar stärker als eine Fluorid-Zahnpasta und ein Placebo. (Vano et al., Clin Oral Investig 2018)
Eine Meta-Analyse aus sechs Studien zeigt: Nano-Hydroxylapatit linderte Empfindlichkeit bei Luft- und Berührungsreizen besser als andere Wirkstoffe. Bei Kälte gab es keinen Unterschied, und Langzeitdaten fehlen noch. (de Melo Alencar et al., J Dent 2019)
Eine aktuellere Meta-Analyse bestätigt, dass Hydroxylapatit-Produkte empfindliche Zähne spürbar beruhigen können. (Limeback et al., Biomimetics 2023)
4. Glatter Schmelz, hellere Optik
Weil sich Nano-Hydroxylapatit auf der Zahnoberfläche anlagert, glättet es den Schmelz und kann ihn optisch heller wirken lassen.
In einer Laborstudie der LMU München wirkten Zähne nach dem Putzen mit Nano-Hydroxylapatit-Zahnpasta heller und weniger gelb. Je höher die Konzentration, desto deutlicher war der Effekt. Getestet wurde allerdings an Rinderzähnen, nicht im Mund. (Shang et al., BMC Oral Health 2022)
Eine Meta-Analyse zeigt außerdem, dass Nano-Hydroxylapatit bei White Spots helfen kann, also bei den weißen, kreidigen Flecken, die zum Beispiel nach einer festen Zahnspange entstehen. (Alajlan et al., J Dent 2024)
Wichtig: Hydroxylapatit bleicht nicht wie Peroxid. Es verändert nicht die Zahnfarbe von innen, sondern sorgt für eine glattere, gleichmäßigere Oberfläche.
Was sagen Kritiker?
Zur Ehrlichkeit gehört auch: Nicht alle Fachleute sind überzeugt. Die Verbraucherzentrale schreibt, die Studien, mit denen Hersteller werben, seien nur von mäßiger Qualität. Ob Hydroxylapatit gegen Karies und empfindliche Zähne hilft, sei noch nicht klar belegt, und Langzeitfolgen seien kaum erforscht. (Verbraucherzentrale 2025)
Auch eine deutsche Studie aus dem Jahr 2020 kam zu einem kritischen Ergebnis. Unter starkem Säureangriff im Mund konnte eine fluoridfreie Zahnpasta mit Nano-Hydroxylapatit das Fortschreiten von Schäden am Dentin nicht aufhalten, Fluorid dagegen schon. (Wierichs et al., J Dent 2020)
Wie passt das zusammen? Ein Teil der Kritik bezieht sich auf ältere Laborstudien mit methodischen Schwächen. Seitdem sind mehrere größere klinische Studien und Meta-Analysen erschienen, die Hydroxylapatit ein gutes Zeugnis ausstellen. Trotzdem gilt: Langzeitstudien über viele Jahre fehlen noch, und die Ergebnisse hängen stark davon ab, wie und woran getestet wird.
Genau deshalb setzen wir nicht auf ein Entweder-oder. In unserer Abendzahnpasta kombinieren wir Nano-Hydroxylapatit mit Fluorid, mehr dazu weiter unten.
Ist „nano“ sicher?
Eine berechtigte Frage, und eine, die auch die EU sehr genau geprüft hat.
Der Wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU (SCCS) hat Nano-Hydroxylapatit bewertet und kam zu dem Ergebnis: In Zahnpasta ist es bis zu einer Konzentration von 10 % sicher, in Mundspülungen bis 0,465 %. Voraussetzung ist eine bestimmte Partikelform, nämlich stäbchenförmig und nicht nadelförmig. Seit 2025 ist das in der EU-Verordnung 2024/858 verbindlich geregelt. (Verordnung (EU) 2024/858)
Hydroxylapatit ist außerdem unbedenklich, wenn mal etwas verschluckt wird. Schließlich ist es derselbe Stoff, aus dem auch Zähne und Knochen bestehen.
Hydroxylapatit oder Fluorid: Was ist besser?
Wir wollen ehrlich sein: Fluorid ist gut erforscht und wirksam. Zahnärztliche Fachgesellschaften in Deutschland empfehlen weiterhin fluoridhaltige Zahnpasta als Standard. Wir sehen Hydroxylapatit deshalb nicht als „Anti-Fluorid“, sondern als einen weiteren starken Wirkstoff, der mit dem eigenen Baustoff des Zahns arbeitet.
Deshalb haben wir beide Wege in unserer Routine.
Warum Nano-Hydroxylapatit in unserer Zahnpasta steckt
Bei artem verstehen wir Zahnpflege als Oral Skincare: sanft, durchdacht und mit Wirkstoffen, die mit dem Körper arbeiten statt gegen ihn. Nano-Hydroxylapatit passt dazu wie kaum ein anderer Inhaltsstoff, weil er dem Zahn genau das gibt, woraus er gemacht ist.
In beiden Zahnpasten unserer Routine steht Nano-Hydroxylapatit an vierter Stelle der Inhaltsstoffliste, direkt nach Wasser, Xylitol und Glycerin.
Morgens: Sensitive White
Unsere Morgenzahnpasta für sanftes Whitening ganz ohne Peroxid und ohne Fluorid. Nano-Hydroxylapatit pflegt und glättet den Schmelz, die Enzyme Papain und Bromelain aus Papaya und Ananas lösen oberflächliche Verfärbungen sanft. Mehr dazu liest du in unserem Artikel über enzymatisches Whitening mit Bromelain.
Abends: Sensitive Protect
Unsere Abendzahnpasta für Schutz über Nacht. Hier kombinieren wir Nano-Hydroxylapatit mit Fluorid und Arginin, für alle, die beim Kariesschutz auf Nummer sicher gehen wollen.
So bekommst du morgens die sanfte, fluoridfreie Pflege und abends den bewährten Fluoridschutz, beides mit Nano-Hydroxylapatit.
Häufige Fragen zu Nano-Hydroxylapatit
Ist Nano-Hydroxylapatit natürlich?
Hydroxylapatit ist das natürliche Mineral deines Zahnschmelzes. In Zahnpasta wird es naturidentisch hergestellt.
Kann Nano-Hydroxylapatit Löcher in den Zähnen schließen?
Nein. Bestehende Karieslöcher gehören in die Zahnarztpraxis. Hydroxylapatit kann aber helfen, den Schmelz in einem frühen Stadium zu remineralisieren und neuer Karies vorzubeugen.
Ist Nano-Hydroxylapatit für Kinder geeignet?
Studien zeigen, dass Hydroxylapatit auch bei Kindern gut schützt und unbedenklich ist, wenn es verschluckt wird. Bitte sprich mit deiner Zahnärztin oder deinem Zahnarzt über die passende Zahnpasta für dein Kind.
Ersetzt Nano-Hydroxylapatit den Zahnarztbesuch?
Natürlich nicht. Regelmäßige Kontrollen und professionelle Zahnreinigung bleiben wichtig.
Fazit: der Baustoff deiner Zähne, gut erforscht
Nano-Hydroxylapatit gibt dem Zahn genau das Mineral zurück, aus dem sein Schmelz besteht. Viele Studien zeigen, dass er den Schmelz ähnlich gut remineralisieren kann wie Fluorid, Karies vorbeugt und empfindliche Zähne spürbar beruhigt. Langzeitdaten fehlen noch, und nicht alle Studien kommen zum selben Ergebnis. Die EU hat ihn geprüft und für Zahnpasta klar geregelt.
Ein Wirkstoff, der nicht gegen den Zahn arbeitet, sondern mit ihm. Genau deshalb steckt er in unserer Morgen- und unserer Abendzahnpasta.
Alle Studien im Überblick
- Najibfard K, Ramalingam K, Chedjieu I, Amaechi BT. Remineralization of early caries by a nano-hydroxyapatite dentifrice. J Clin Dent. 2011;22(5):139–143. PubMed
- Amaechi BT et al. Anti-caries evaluation of a nano-hydroxyapatite dental lotion for use after toothbrushing: An in situ study. J Dent. 2021. DOI
- Paszynska E et al. Caries-preventing effect of a hydroxyapatite-toothpaste in adults: a 18-month double-blinded randomized clinical trial. Front Public Health. 2023;11:1199728. DOI
- Paszynska E et al. Impact of a toothpaste with microcrystalline hydroxyapatite on the occurrence of early childhood caries: a 1-year randomized clinical trial. Sci Rep. 2021. DOI
- Schlagenhauf U et al. Impact of a non-fluoridated microcrystalline hydroxyapatite dentifrice on enamel caries progression in highly caries-susceptible orthodontic patients. J Investig Clin Dent. 2019. DOI
- Pawinska M et al. Clinical evidence of caries prevention by hydroxyapatite: An updated systematic review and meta-analysis. J Dent. 2024. DOI
- Vano M et al. Reducing dentine hypersensitivity with nano-hydroxyapatite toothpaste: a double-blind randomized controlled trial. Clin Oral Investig. 2018. DOI
- de Melo Alencar C et al. Clinical efficacy of nano-hydroxyapatite in dentin hypersensitivity: A systematic review and meta-analysis. J Dent. 2019. DOI
- Limeback H, Enax J, Meyer F. Clinical Evidence of Biomimetic Hydroxyapatite in Oral Care Products for Reducing Dentin Hypersensitivity: An Updated Systematic Review and Meta-Analysis. Biomimetics. 2023. DOI
- Shang R, Kaisarly D, Kunzelmann KH. Tooth whitening with an experimental toothpaste containing hydroxyapatite nanoparticles. BMC Oral Health. 2022. DOI
- Alajlan S et al. The effect of nano-hydroxyapatite on white spot lesions: A systematic review and meta-analysis. J Dent. 2024. DOI
- Wierichs RJ et al. Re- and demineralization characteristics of dentin depending on fluoride application and baseline characteristics in situ. J Dent. 2020. DOI
- Verbraucherzentrale. Repariert Zahnpasta mit Hydroxylapatit den Zahnschmelz? Stand 17.04.2025. verbraucherzentrale.de
- Verordnung (EU) 2024/858 der Kommission vom 14. März 2024. EUR-Lex
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